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Bessarabien eine Heimat in der Fremde

Wer heute Bessarabien als geografischen Raum auf der Landkarte sucht, wird vergebens danach ausschauen. Seitdem Ende des Zweiten Weltkrieges gibt es diese Gebietsbezeichnung nicht mehr. Wie der Namensursprung ungeklärt ist, der weit in die Jahrhunderte zurückweist, so ist auch die staatliche Zugehörigkeit dieses zwischen Pruth und Dnjestr oberhalb der Donaumündung liegenden Steppenlandes stets umstritten gewesen. Allein in diesem Jahrhundert war es in seiner Souveränität zweimal dem Wechselspiel der Kräfte und Mächte der Nachbarstaaten ausgeliefert. 1918 machte sich Rumänien die Revolutionswirren Rußlands zunutze und holte das Gebiet »heim«, das von 1367 bis 1511 im Besitz des Fürstentums Moldau gewesen war; 1940 tat die inzwischen erstarkte UdSSR dasselbe. Sie begründete ihren Anspruch auf das Rußland durch den Frieden von Bukarest 1812 zugestandenen Recht, ganz Bessarabien in seinen Besitz zu nehmen, was seit Peter dem Großen in vielen Eroberungs- und Befreiungskriegen gegen die dort herrschenden Türken immer wieder angestrebt wurde. Die UdSSR hat Südbessarabien der Ukraine zugeordnet, den mittleren sowie nördlichen Teil jedoch in eine selbständige Republik — innerhalb des sowjetischen Machtbereiches — umgewandelt und nach der nationalen Mehrheit der Bevölkerung »Moldawien« benannt. Bessarabien gehört somit der Vergangenheit an. Einer Vergangenheit, mit der unsere Schicksalsgeschichte immer verwoben bleiben wird, weil wir und unsere Vorfahren in dieser Vergangenheit einmal beheimatet waren. Unsere Rückführung 1940 ins deutsche Mutterland erfolgte ohne Zwang und wurde — nach einem erneuten Wechsel der staatlichen Hoheit — von allen als glückliche Hinwendung in eine freie und gesicherte Zukunft empfunden.

Bessarabisches Heimatlied:

Gott segne dich, mein Heimatland! Ich grüß' dich tausendmal,
dich Land, wo meine Wiege stand, durch meiner Väter Wahl!
Du Land, an allem Gut so reich, ins Herz schloß ich dich ein;
ich bleib' dir in der Liebe gleich, im Tode bin ich dein.

So schirme, Gott, in Freud und Leid, du unser Heimatland!
Bewahr der Felder Fruchtbarkeit bis hin zum Schwarzmeerstrand!
Erhalte du uns deutsch und rein, send' uns ein freundlich Los,
bis wir bei unsern Vätern ruhn im heimatlichen Schoß.

Kurzer Abriß der bessarabiendeutschen Geschichte

Die Geschichte der bessarabiendeutschen Volksgruppe beginnt zu Anfang des 19. Jahrhunderts mit der Auswanderung der Vorfahren aus Deutschland. Um die weiten, fast menschenleeren Gebiete, die Rußland nach 350 jähriger Türkenherrschaft im Bukarester Frieden 1812 zugesprochen wurden mit tüchtigen Bauern zu besiedeln, erließ Zar Alexander l (1801-1825) am 29. Nov. 1813 einen Aufruf zur Auswanderung nach Rußland. Den Einwanderern wurden je Familie 60 Deßjatine (65 ha) Land, Befreiung vom Militärdienst, Religionsfreiheit und anderes mehr zugesagt. (Schon vorher hatte Katharina II mit ähnlichen Versprechungen deutsche Einwanderer ins Land geholt — Manifest vom 22.7. 1763). Der Aufruf Alexander l richtete sich vornehmlich an die Deutschen im Herzogtum Warschau, die dort in ärmlichen und ungesicherten Verhältnissen lebten. Sie waren einst, -nach der ersten Teilung Polens- aus verschiedenen deutschen Ländern, hauptsächlich aus Preußen, Württemberg und Baden zur Kolonisierung der damals preußischen Distrikte eingewandert. Als diese Gebiete nach dem Tilsiter Frieden von 1807 im Herzogtum Warschau aufgingen, wurde ihnen der Aufenthalt durch staatlichen Druck verleidet und sie zögerten nicht, dem Ruf des Zaren zu folgen. Dieser Ruf wirkte sich aber auch in Südwestdeutschland aus, vor allem in Württemberg. Hier herrschte große Not und Unzufriedenheit durch die Kriegseinfälle Napoleons, durch fürstliche Willkür, drückende Steuerlasten, religiöse Unstimmigkeiten und aufeinanderfolgende Mißernten.

Die drei Wanderwege der Bessarabiendeutschen

Zwei große Auswanderergruppen kamen auf drei Wanderwegen nach Bessarabien. Die erste Wandergruppe, die der Warschauer Kolonisten, führte von Warschau über Radziwill und Tiraspol in das Siedlungsgebiet. Die Reise auf den unbeschreiblich schlechten Straßen von Polen mit Pferdewagen, Handkarren zu Fuß, glich dem Rückzug eines geschlagenen, verhungernden Heeres, wie die Geschichtsschreiber berichten. Der zweite Landweg ging von Württemberg über Lemberg, Radziwill, Tiraspol nach Bessarabien. Er dauerte bis zu einem Jahr und hätte ohne eine ansehnliche Barschaft nicht bewältigt werden können. Die dritte Route, der Wasserweg, führte auf kleinen Booten, den sogenannten »Ulmer Schachteln« von Ulm donauabwärts bis Ismail, wo ein Quarantänelager eingerichtet war

Ulmer Schachtel auf der Donau

Dieser direkte Wasserweg zog sich über einige Monate hin und wurde schon hinter Wien zur Katastrophe. Er endete mit Seuchen und Epidemien, so daß von den 1500 eingeschifften Auswanderern 800 übrig blieben. Nach wochenlanger Quarantänezeit ging es von Ismail mit Pferdewagen, die sie angekauft hatten, weiter. Entmutigt, und von den Entbehrungen der Reise gezeichnet, kamen sie an ihren Siedlungsorten an. In den Jahren von 1814 bis 1842 wanderten rd. 9000 Deutsche nach Bessarabien ein. Sie gründeten auf einem geschlossenen, von der Regierung in der Budschak - Steppe zugewiesenen Landstück von 150 000 ha, »Kronsland« genannt, 25 Mutterkolonien. Jede Familie erhielt »eine Wirtschaft Land« (65 ha) sowie das allernötigste Material für den Bau eines »Kronshäuschens«, nebst sehr bescheidenem Inventar. In den meisten Fällen war der Anfang eine Erdhütte und das »Kronshäuschen« der Übergang zum Kolonistenhaus späterer Jahre. Bereits nach Abschluß der Besiedlung im Jahre 1842 war die Zahl von 9000 Einwanderern durch Geburtenzuwachs auf 25000 angestiegen. Bis zum Jahre 1871 wurden die deutschen Siedlungen in Bessarabien von einem Kontor in Odessa selbständig verwaltet. Dieses Kontor war dem 1818 gegründeten Fürsorgekomitee unterstellt, das für die Kolonisierung, Verwaltung und Überwachung der Gesetzesvorschriften zuständig war. Im Jahre 1871, als Auswirkung panslawistischer Ideen, wurde mit der Aufhebung des Kolonistenstandes und dem Zerfall der Kolonistenrechte der Deutschen auch das Fürsorge-Komitee aufgegeben. Diesem Bruch der im Manifest vom 29. Nov. 1813 gewährten Freiheiten folgte schon drei Jahre später die Einführung des Militärdienstes, der zu jener Zeit sieben Jahre dauerte. Aus diesem Grunde setzte schlagartig eine Auswanderung ins benachbarte Ausland ein, vor allem in die Kreisbezirke Ismail, Belgrad und Kahul, die Rußland nach dem Krimkrieg 1856 an die Moldau verlor und besonders nach Übersee. Da die Kolonisten von Deutschland so gut wie abgeschnitten waren, wurde ihnen Rußland zur Wahlheimat. Dies um so mehr, als es nie einen Gegensatz oder gar Haß seitens der russischen Mitbürger ihnen gegenüber gegeben hat. Sie lebten in gutem Einvernehmen miteinander und der gemeine Mann des russischen Volkes war für die Erwerbsmöglichkeiten dankbar, die er bei den deutschen Siedlern fand. Doch die auf hoher politischer Ebene entstandenen Dissonanzen zwischen Deutschland und Rußland gaben den Panslawisten Auftrieb, die ins Land gerufenen Deutschen als Eindringlinge und Schädlinge zu verschreien.

Die Mutterkolonien

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges verschlechterte sich ihre Lage zusehends. Während ihre Söhne, getreu dem Eid an den Fronten standen, setzten daheim Repressalien ein. Die deutschen Schulen wurden geschlossen, die deutsche Predigt verboten und die Presse eingestellt. Wo sich mehr als drei Deutsche versammelten, drohten ihnen hohe Strafen. Die Liquidationsgesetze vom 2. Jan. und 13. Februar 1915 enteigneten den gesamten deutschen Besitz und sahen die Ausweisung der Siedler nach Sibirien vor. Der starke Wintereinbruch und die Märzrevolution 1917 verhinderten ihre Verschickung und totale Vernichtung. Nach dem Bessarabien 1918 an das angrenzende Rumänien gefallen war, wurden ein Jahr später die Liquidations- und Enteignungsgesetze aufgehoben. Die Bauern erhielten ihr Land zurück. In den Kirchen durfte wieder gepredigt werden. Auch die Schulen konnten wieder den Unterricht aufnehmen, wurden aber bald im Zuge der einsetzenden Rumänisierungsbestrebungen verstaatlicht. Die Einführung der rumänischen Verwaltung raubte den Deutschen schließlich den letzten Rest von Selbständigkeit. Mit der Durchführung der Agrarreform 1920 + 21 wurde ihnen dann zusätzlich ein schwerer wirtschaftlicher Schlag versetzt, von dem sich viele bis zuletzt nicht mehr erholten. Sie verloren 64 177 ha Land an den Staat, erhielten durch die Neuregelung wieder 8200 ha zurück, was die Gründung der Hektargemeinden zur Folge hatte. Auch in anderer Hinsicht ergab sich für die Bessarabiendeutschen eine neue Situation. Losgelöst vom übrigen Schwarzmeerdeutschtum, mit dem sie hundert Jahre lang auf allen Bereichen ihres Lebens eng verflochten waren, begann für sie jetzt ein eigenständiges Dasein. So entwickelten sie für die letzten zwanzig Jahre ihres Verbleibens in der Heimat eine eigene Geschichte, die sich im wesentlichen nun an der Existenzform der anderen deutschen Gebiete Rumäniens orientierte und mit in ihren Rahmen fügte. Es waren zwanzig Jahre des wirtschaftlichen Aufschwungs, der kulturellen Fortentwicklung und durch einen gewissen Wohlstand einer verbesserten Lebensqualität. Aber sie waren auch bestimmt von einem steten Kampf um Glaube und Volkstum, in dem sich die um eine gute Staatsbürgerschaft bemühten Bessarabiendeutschen behaupten mußten. Als Ende der Dreißiger Jahre die Rückgewinnung der Kirchenschulen erreicht wurde, die ihnen der rumänische Staat 1919 genommen hatte, war die Zeit ihrer Beheimatung in Bessarabien abgelaufen. Im Juni 1940 wurde dieses Gebiet wieder von russischen Truppen besetzt und von der UdSSR in Besitz genommen. Im Laufe ihrer 125jährigen Siedlungszeit in Bessarabien, dem Land zwischen Dnjestr und Pruth, sind dort 150 deutsche Gemeinden entstanden, mit einem doppelt so großen Landbesitz wie bei der Gründung, trotz der durchgeführten Landreform. Die angetretene Ursteppe war durch den Fleiß der deutschen Siedler zur Kornkammer des Schwarzmeergebietes geworden und ihre Dörfer zum beispielhaften Gemeinwesen im Völkergemisch Südosteuropas. Durch ein zwischenstaatliches Abkommen zwischen dem damaligen Deutschen Reich und der UdSSR - auf dem Hintergrund des Hitler - Stalin - Paktes vom 23. August 1939 mit der Aufteilung der Interessensphären - wurde die bessarabiendeutsche Volksgruppe im Herbst 1940 nach Deutschland umgesiedelt. Ihre Zahl bei der Umsiedlung betrug 93 318 Personen.

Die Umsiedlung der Bessarabiendeutschen

Die Würfel über das Schicksal der Bessarabiendeutschen sind schon vor der Besetzung des Landes durch die UdSSR im Juni 1940 gefallen. Bereits am 23.8. 1939 fand im Geheimen Zusatzprotokoll des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes eine Abgrenzung gegenseitiger »lnteressensphären« statt, wobei die Sowjetunion ihr Interesse an Bessarabien, Deutschland das völlige politische Desinteresse an diesem Gebiet erklärte. Am 6. Okt. 1939 gab Hitler in einer Reichstagsrede bekannt, daß umfassende Bevölkerungsbewegungen der »nichthaltbaren Splitter deutschen Volkstums« im Osten und Südosten Europas geplant seien. Noch im selben Jahr wurde die Umsiedlung der Baltendeutschen, im Winter 1940 die der Wolhyniendeutschen durchgeführt. Als Frankreich am 22.6.1940 nach dem Einmarsch der deutschen Truppen kapitulierte und Rumänien damit seinen Bündnispartner verlor, hielt die Sowjetunion den Zeitpunkt für gekommen, die Rückgabe Bessarabiens zu verlangen, dazu den nördlichen Teil der Bukowina als Entschädigung für den 22jährigen wiederrechtlichen Besitz Bessarabiens. Am 23.6. unterrichtete der damalige sowjetische Außenminister Molotow den deutschen Botschafter in Moskau Schulenburg von der unmittelbar bevorstehenden Besetzung Bessarabiens durch die UdSSR. Auf diese Meldung nach Berlin bekam Schulenburg von Ribbentrop die Anweisung, Molotow zu sagen, Deutschland sei an der Bessarabischen Frage desinteressiert, jedoch nicht am Schicksal der dort lebenden ca. 100 000 Volksdeutschen und erwarte von der UdSSR, daß ihre Zukunft sichergestellt werde. Man habe vor, der Sowjetunion zu gegebener Zeit Vorschläge für die Umsiedlung dieser Volksdeutschen zu unterbreiten, wie sie in Wolhynien erfolgt ist. Am 26.6. meldete Schulenburg dem Auswärtigen Amt in Berlin, daß Molotow in Verbindung mit einer Danksagung für die verständnisvolle Haltung der Deutschen Regierung und ihre Bereitwilligkeit, die Durchsetzung der sowjetischen Ansprüche zu unterstützen« die Zusicherung gegeben habe, die deutschen Wünsche hinsichtlich der Volksdeutschen in Bessarabien zu erfüllen. Die rumänische Regierung fügte sich am 27. Juni 1940 dem russischen Ultimatum und trat Bessarabien an die Sowjetunion ab. Am 28.6. besetzte die Sowjetarmee das Territorium Bessarabiens und der Nordbukowina. Die rumänischen Truppen hatten 4 Tage Zeit, sich aus diesem Gebiet zurückzuziehen. Bei der deutschen Bevölkerung Bessarabiens machte sich nach diesem Wechsel der Staatshoheit zunächst große Unsicherheit breit. Angesichts des Schicksals ihrer Brüder und Schwestern jenseits des Dnjestrs bangten auch sie um ihre Zukunft. Holte sie jetzt etwa jene Ausweisung nach Sibirien ein, wie sie einst 1915 vom zaristischen Rußland für sie geplant war und dann durch die Kriegsereignisse vereitelt wurde. Gleichzeitig hegte man die Hoffnung, wie die Wolhynien- und die Galiziendeutschen nach Deutschland umgesiedelt zu werden. Diese Hoffnung wurde auch bald zur Gewissheit und man begann in den deutschen Dörfern Vorkehrungen dadurch zu treffen, die persönlichen Taufscheine, Ausweise, Akten etc. von den kirchlichen Stellen zu beschaffen. In jedem Ortsbereich wurden Mitarbeiter herangezogen, die der Umsiedlungskommission bei der Durchführung ihrer Aufgaben zur Hand gehen konnten. Inzwischen kam es am 5. September 1940 in Moskau, nach harten, langwierigen Verhandlungen zwischen einer deutschen Kommission unter Generalkonsul Nöldeke und dem Beauftragten Wasjukow vom Außenkommissariat der UdSSR zur Unterzeichnung der »Vereinbarung über die Umsiedlung der deutschstämmigen Bevölkerung aus den Gebieten Bessarabiens und der nördlichen Bukowina in das deutsche Reich«. In allen deutschen Dörfern Bessarabiens verkündeten ab 15. Sept. 1940 Aufrufe in deutscher und russischer Sprache, daß die »deutschstämmige Bevölkerung frei und ungehindert auf deutschen Boden ausreisen kann, wenn sie den Wunsch dazu hat«. Für die Umsiedlung wurde vertragsgemäß die Zeit vom 15. September bis 15. November angegeben. Das waren gerade zwei Monate, die zudem in eine wetterunbeständige Jahreszeit fielen. Kurz nach Abschluß des Umsiedlungsvertrages trafen die Mitglieder der in Galatz schon konzentrierten deutschen Umsiedlungskommission ein. Der gesamte deutsche Stab für Bessarabien und Buchenland durfte die Zahl von 599 Mitarbeitern nicht überschreiten, in welcher Zahl auch das Sanitäts- wie das Transportpersonal miteingeschlossen sein mußte. Außerdem waren für den Transport insgesamt eine Kraftwagenkolonne von höchsten 250 PKW, Sankra und LKW von den Sowjets zugelassen. (Die Eisenbahnzüge wurden von sowjetischer Seite zur Verfügung gestellt). Der gesamte Umsiedlungsbereich Bessarabiens war in vier Gebiete unterteilt, die von je einem Gebietsbevollmächtigten betreut wurden. Jeder Gebietsbevollmächtigte hatte einen Stellvertreter und 21 Personen Hilfspersonal. Als wirklich ausführende Organe galten jedoch die Ortsbevollmächtigten (mit einem Stellvertreter und zwei Personen Hilfspersonal). Einen nicht unbedeutenden Beitrag leisteten auch die rund 200 Volksdeutschen ehrenamtlich tätigen Helfer.

Die vier Umsiedlungsgebiete und die Standorte der Ortsbevollmächtigten waren:

Gebiet Albota: Albota, Eichendorf, Wischniowka, Kulm, Posttal, Neu-Elft, Alexanderfeld

Gebietsbevollmächtigter: Herr Weißhaupt

Gebiet Beresina: Beresina, Borodino, Hoffnungstal, Klöstitz, Neu-Klöstitz, Paris, Arzis, Teplitz, Katzbach, Krasna

Gebietsbevollmächtigter Herr Karasek

Gebiet Mannsburg: Mannsburg, Sofiental, Basyrijarnka, Maraslienfeld, Gnadental, Sarata, Friedenstal, Lichtental, Eigenfeld, Annowka, Seimeny

Gebietsbevollmächtigter: Herr Kraus

Gebiet Kischinew: Kischinew, Jekaterinowka, Neu Sarata, Fürstenfeld II, Alt-Oneschti, Neu-Strymba, Mariewka, Mathildendorf, Kurudschika.

Gebietsbevollmächtigter: Herr Zilz

Als Hauptbevollmächtigter für die Umsiedlung aus Bessarabien war von deutscher Seite Standartenführer Horst Hoffmeyer, von russischer seite Major Weretennikow, zuständig. Sitz des Umsiedlungsstabes war Tarutino. Die Ortsbevollmächtigten waren meistens alte Mitarbeiter des VDA (Verein der Auslandsdeutschen). Die Taxatoren waren von der Deutschen Umsiedlungstreuhandgesellschaft (DUT) ausgebildet und mit Taxrahmenbestimmungen ausgestattet.

Der Umsiedlerausweis mußte von jedem Umsiedler um den Hals gehängt getragen werden.

Die Arbeit begann mit der Registrierung der Umsiedlungswilligen. Jeder Registrierte erhielt seine Umsiedlungskarte und stand damit unter des Reiches Schutz. Auf jeder Umsiedlungskarte war die Umsiedlungs - Nummer angegeben, die auch auf jedem Gepäckstück vermerkt werden mußte. Die Taxatoren, bestehend aus Mitarbeitern der deutschen und sowjetischen Umsiedlungskommission gingen von Hof zu Hof und legten den Wert des zurückbleibenden Besitzes fest, was mitunter zu großen Spannungen innerhalb der Kommission bei der Vermögensbewertung führte. Dennoch ging die Arbeit zügig voran und es konnte schon bald mit dem Abtransport der Umsiedler in die Donauhäfen begonnen werden. Zunächst wurden die Kranken, Alten und Frauen mit Kleinkindern auf Sankras an die festgelegten Grenzübergänge befördert. Dann kamen entweder im Bus-oder LKW-Transport oder mit der Eisenbahn alle diejenigen dran, die nicht über ein eigenes Pferdegespann verfügten. Zuletzt zog Treck um Treck durch das Land, auf vorher genau festgelegten Routen, nach einem fein ausgearbeiteten Plan für eine mehrere Tage dauernde Reise. Bei der Verbringung an die Verschiffungshäfen nahmen die Umsiedler verschiedene Wege. Die einen wurden mit Sankras, Bus oder LKWs nach Chilia oder Reni und von da gleich auf die Schiffe gebracht, die andern kamen nach Galatz, wo sie oft noch einige Tage in einem Durchgangslager zubringen mußten, bis die Verschiffung erfolgte. An persönlicher Habe (Bekleidung, Schuhwerk, Wäsche sowie einigen Lebensmitteln) durften mitgenommen werden : auf der Eisenbahn als Kleingepäck bis zu 50 kg pro Person, mit LKWs für Erwachsene nur 35 kg und für Kinder 15 kg. Auf dem Treckwagen dagegen durften einschließlich landwirtschaftlicher Produkte (Lebensmittel, Futter bis zu 250 kg mitgenommen werden. Was nicht mitgenommen werden konnte (Hausrat, Möbel, landwirtschaftliche Geräte, Maschinen etc.) wurde an die dortige Bevölkerung verkauft oder verschenkt. Beschränkungen bzw. Verboten unterlag die Ausfuhr von größeren Mengen Bargeld, Gold, Platin, Silber, Edelsteinen, Kunstgegenstände, Waffen, Urkunden der Gemeinden, Kirchenbücher etc. Zurück blieben: 374 000 Hektar Kulturland (von unseren Vorfahren und Eltern aus dem Urwasen erschlossen), ungezählte Siedlungshäuser, Schulen, Kirchen, Bet- und Rathäuser, Gemeindezentren, Vorratsmagazine, Vereinsheime Mühlen und Fabriken, Handels-, Bank-, Gewerbe-, Genossenschaftsbetriebe, Brücken und Brunnenanlagen, das deutsche Schwarzmeerbad Burnas, ungezählte Haustiere und Viehherden. Über das von den Umsiedlern zurückgelassene Vermögen waren Vermögenslisten erstellt worden. Die Summe dieser Vermögenswerte wurde in die gegenseitige Verrechnung zwischen der UdSSR und dem Deutschen Reich eingebracht und von den Sowjets durch Erdöl- und Getreidelieferungen entschädigt. Die materielle Seite des Zurückgelassenen aber stellt nur die Oberfläche des Verlustes dar, den die Bessarabiendeutschen erlitten haben, als sie ihre Heimat für immer verließen. Was Ihnen diese Heimat bedeutet hat, wurde ihnen erst viel später bewußt und viele der Älteren und Alten haben diesen Verlust nie verwunden. Denn Heimat ist nicht nur im geografischen Raum, sie ist auch im inneren Bereich des Menschen verwurzelt. Sie von dort umzusiedeln, ist der Erlebnisgeneration bis heute noch nicht ganz gelungen.

Abschied von der bessarabischen Heimat

Plötzlich beginnt die Kirchenglocke zu läuten. Sie klingt schwer und dröhnend über das Land, ruft so laut und stark sie es nur kann. Es ist ein wilder Rhythmus, als wollte sie zerspringen. Was schadet es? Sie wird verstummen, wie alle Kirchenglocken hier im Land verstummt sind. So darf ihr Abschiedsläuten laut über das verlorene Dorf dröhnen und den in der ferne abziehenden Deutschen die letzten Grüße des Heimatdorfes nachschicken. Sie schweigt, als die ferne Staubwolke des Trecks in sich zusammensinkt. (Aus »Die Glocke verklingt . ..« von Hertha Karasek - Strzygowski )

Auf der Fahrt durch die weite Steppe

Gewaltig ist der Eindruck des durch die Steppe fahrenden Trecks. Wie eine graue Schlange windet sich der kilometerlange Zug durch die flachwellige Landschaft. Beiderseits des unbefestigten Fahrweges liegen Stoppelfelder, wo im Sommer Weizen wuchs, Gerste und Hafer. Jetzt wartet auch der Mais auf die Ernte. Der Wind treibt sein Spiel mit den trockenen Blättern der mannshohen Stengel. Manchmal kreischt ein Vogel auf, dann wieder ist weithin nur Stille, in der zwischendurch das Holpern der Wagenkolonne zu hören ist.

Überblick:

Laut statistischen Erhebungen haben das Durchgangslager Galatz 40000 Umsiedler (mit 11630 Wagen und 22922 Pferden) passiert; vom Donauhafen Reni sind 33000 und von Chilia 20000 Umsiedler verschifft worden. Es wurden rund 93000 Personen aus Bessarabien ins Deutsche Reich umgesiedelt. Am 22. Oktober 1940 fuhr der letzte Treck über die Pruthbrücke. Einhundertfünfzig deutsche Dörfer und Gutshöfe standen vereinsamt und fast menschenleer da und zeugen bis heute von der Kulturleistung deutscher Siedler in 120 Jahren des Heimatrechts.

Auf dem Schiff

Zwischen 3 — 6 Tagen, je nach Schiffsgröße und der Entfernung zu dem Bestimmungshafen, dauerte die Fahrt auf der Donau von den Auffanglagern Galatz, Reni und Chilia bis Prahovo bzw. Semlin. Hier waren Durchgangslager eingerichtet, die von den Jugoslawiendeutschen bestens betreut und mit Lebensmitteln versorgt wurden. Nach kurzem Aufenthalt — von nur wenigen Tagen — ging es von diesen Lagern mit der Bahn weiter nach Deutschland.

In den Umsiedlungslagern

In Deutschland wurden die Bessarabiendeutschen auf rund 250 Umsiedlungslager verteilt, die sich hauptsächlich in Sachsen, Franken, Bayern, im Sudetenland und in Osterreich befanden. Hierbei war es unumgänglich, daß die Dorfgemeinschaften getrennt wurden. Zwar hat man versucht, die kritische Lage der Umsiedler erträglich zu gestalten, was durch die drangvolle Enge in den Lagern nicht immer gelang. Als die Umsiedler nach der Quarantänezeit die Möglichkeit erhielten, sich durch Arbeit etwas Geld zu verdienen und für einige Stunden am Tage dem lagerleben zu entfliehen, wurde manches besser. Während des Aufenthalts in den Umsiedlungslagern erfolgte die Durchschleusung mit der nachfolgenden Einbürgerung. Bei diesem Vorgang wurden alle Umsiedler einer gesundheitlichen und rassisch - politischen Untersuchung unterzogen und je nach Beurteilung eingestuft. Nur wer als »gesund« und als »rassisch wertvoll« sowie »politisch zuverlässig« eingestuft wurde, konnte im Osten angesiedelt werden. (Fälle). Die Abfälle wurde im Altreich, die Ställe durften nur im Generalgouverment unterkommen. Letztere versuchte man auch wieder in ihre Herkunftsländer abzuschieben. Im Laufe der Zeit wuchs die Ungeduld in den Lagern. Aber die Umsiedler übten sich dennoch fügsam im Warten, weil man ihnen versprach, daß sie wieder Bauernhöfe erhalten würden und auch die alte Dorfgemeinschaft zustande käme. Doch das über viele Monate, oft auch Jahre, sich hinziehende Lagerleben zermürbte viele so sehr, daß ihnen am Ende alles gleich war, wenn sie nur wieder aus dem Lager herauskamen. Mit großer Freude wurde daher die Nachricht von der bevorstehenden Ansiedlung aufgenommen.

Die Ansiedlung im Osten

Die Bessarabiendeutschen waren zu 85 Prozent Bauern. Der Großteil von ihnen wurde 1941/42 im damaligen Warthegau und in Danzig-Westpreußen auf Höfe gesetzt, die kurz vorher von ihren polnischen Besitzern geräumt worden waren. Vor der Ansiedlung kamen sie noch einmal in ein Durchgangslager, von wo aus sie dann mit der Bahn, — zumeist in Gruppen — zur Ansiedlung verbracht wurden. Nie und nimmer wäre diese Ansiedlung so problemlos verlaufen, wenn es die lange und bittere Zeit des Lagerlebens nicht gegeben hätte. So war verständlicherweise niemand danach zumute, die gerade gewonnene Freiheit und Selbständigkeit durch Verärgerung der Behörden wieder aufs Spiel zu setzen. Aber ein unbehagliches Gefühl und die Ahnung eines Unrechts beschlich wohl jeden, der in ein Haus geführt wurde, das unübersehbar bis dahin noch bewohnt gewesen ist. Doch den meisten blieb wenig Zeit zum Nachdenken und sich mit den Geschehnissen kritisch auseinanderzusetzen. Die oft vernachlässigten Wirtschaften, die Bebauung der zugewiesenen Acker hätten mehr Hände gebraucht, als vorhanden waren. Polnische Arbeitskräfte wurden den Höfen zugeteilt und die deutschen Männer dafür in den Krieg geholt. Nun kam für die Frauen zu der Last und Verantwortung für den Hof und die Familie noch die Sorge um den Mann an der Front hinzu. »Unrecht Gut gedeiht nicht«, sagt der Volksmund und so sind auch die dreieinhalb Jahre des Abmühens dort im Osten umsonst gewesen. Mit Angst und Bangen hat man das erste Herannahen des Kriegsschauplatzes verfolgt. Trotzdem war keiner darauf gefaßt, daß die Katastrophe so schnell und mit solcher Wucht hereinbrechen würde.

Die Flucht im Winter 1945 aus dem Osten

Mit der sowjetischen Offensive am Baranow - Brückenkopf am 12. Jan. 1945 setzte nicht nur für die deutschen Abwehrkräfte der Ostfront das Verhängnis ein, sondern auch für die gesamte deutsche Bevölkerung des Ostens. Innerhalb weniger Tage hatte der Feind die deutsche Front an vielen Abschnitten durchstoßen und befand sich in vehementem Vormarsch. In Hörweite des Geschützdonners traten die überraschten Deutschen die Flucht westwärts an, nachdem sie vorher bis zuletzt mit beruhigenden Parolen zum Bleiben angehalten wurden. Wo die Flüchtlingskolonnen zwischen die Fronten gerieten, vom Feind überrollt oder von Tieffliegern angegriffen wurden, spielten sich unvorstellbare Szenen menschlichen Leids ab. Zu den besonders schwer Betroffenen jener Ereignisse gehörten auch die bessarabiendeutschen Ansiedler und davon vor allem jene, die weit im Osten angesiedelt waren, wie z.B., die Friedenstaler in der Gegend von Kutno. Von ihnen ist bekannt, daß von den ca. 2000 Personen, die die Flucht antraten, 1144 entweder auf der Flucht ums Leben kamen oder den Weg in die Gefangenschaft antraten. Noch heute befinden sich Nachkommen von ihnen in Sibirien und im Kaukasus. Als Anfang Mai der Krieg zu Ende war und ganz Deutschland in Schutt und Asche lag, irrten die Bessarabiendeutschen wie verirrte Schafe umher. Sie hatten in der Mehrzahl keine Anknüpfungspunkte zum Altreich, wo sie Hilfe erwarten und fürs Erste hätten unterkommen können. Die meisten waren ja aus den Lagern zur Ansiedlung gelangt, ohne Deutschland überhaupt gesehen oder kennengelernt zu haben. Alle Fäden und Bindungen ihres Lebens verliefen deshalb im Osten, aus dem sie nun zum zweiten mal innerhalb weniger Jahre fort mußten.

Wichtige Ereignisse aus der Geschichte der Bessarabiendeutschen in den Jahren (1940 — 1945) von Gertrud Knopp-Rüb

1940

    • 5. Sept. Unterzeichnung der »Vereinbarung über die Umsiedlung der deutschstämmigen Bevölkerung aus den Gebieten Bessarabiens und der nördlichen Bukowina in das Deutsche Reich«.
    • 15. Sept. Die deutsche Umsiedlungskommission beginnt mit der Arbeit zur Durchführung der Umsiedlung der Bessarabiendeutschen.
    • 22. Okt. Der letzte Treck
    • 13. Nov. Der letzte Transport mit Umsiedlern
    • 14. Nov Die deutsche Umsiedlungskommission verläßt Bessarabien.
    • 1941 Aufenthalt in Umsiedlungslagern (hauptsächlich in Sachsen, Sudetenland, Franken, Bayern und in Osterreich). Einbürgerung — Zuerkennung der Deutschen Staatsbürgerschaft. Beginn der Ansiedlung in den deutschen Ostgebieten (Danzig - Westpreußen, Warthegau — in geringer Zahl auch im Generalgouvernement und im Altreich).
    • 1945 Flucht aus den deutschen Ostgebieten - vornehmlich nach Mecklenburg, Brandenburg, Sachsen, Niedersachsen, Holstein
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